Lehrfahrt Direktvermarktung
Der Salzburger Flachgau war Ziel der diesjährigen zweitägigen Direktvermarktungslehrfahrt von 60 Tirolerinnen und Tirolern. Dabei haben sie im Bereich von Gewürzen, der Rinderhaltung, des Getreideanbaus, von Trinkhanf und auch der Milchverarbeitung zahlreiche interessante Betriebe und die Vielfalt im Salzburger Flachgau kennen gelernt. Im Folgenden werden die einzelnen Exkursionspunkte angerissen.
Raps Gewürzwerk – ein Sinneserlebnis
Unser erster Exkursionsbesuch führte uns zum Gewürzwerk Raps in Obertrum. 1985 wurde dort das Firmengebäude erbaut. Die Firma pflegt Handelsbeziehungen in alle Teile der Welt, in denen Gewürze und Kräuter angebaut werden. Ausschließlich unversehrte Rohgewürze aus den allerbesten Gewürzpartien, mit dem richtigen Reifegrad, einem hohen Gehalt an ätherischen Ölen und sortentypischen Farben gelangen zur Verarbeitung. Dabei werden von jeder Lieferung Stichproben gezogen und im hauseigenen Labor untersucht sowie für die Weiterverarbeitung freigegeben, wenn die Qualitätsvoraussetzungen passen. Das Know-how und die Eigenschaften jedes einzelnen Rohgewürzes und die in langjähriger Erfahrung entstandenen Verarbeitungstechniken bestimmen die außerordentliche Qualität der Produkte. Bei der Führung konnte von der Anlieferung der Gewürze über die Weiterverarbeitung, Abfüllung und Lagerung alles bestaunt werden.
Familienbiobetrieb „Joglbauer“
Seit 1776 liegt der Erbhof in Obertrum im Besitz der Familie Hofer. Seit 1979 werden 20 ha Boden nach den Richtlinien des organisch-biologischen Landbaus im Verband „Bio Austria“ im Vollerwerb bewirtschaftet. Neben der für das Gebiet klassischen Grünlandwirtschaft mit Rinderhaltung werden Getreide, Obst, Frisch- und Lagergemüse angebaut. In der eigenen Hofbackstube wird das selbstangebaute Getreide zu Brot weiterverarbeitet und eine Hofkäserei steht zur Verfügung. Die Produkte werden über den Hofladen vermarktet. Eine Besonderheit am Betrieb ist die Schaumelkerei. Dort kann man hinter einer Glasscheibe beim Melken der Kühe zuschauen.
Frenkenberger Trinkhanf – eine neue Sensation in Hallwang
Hanf – die älteste Kulturpflanze der Menschheit wurde in den vergangenen 2000 Jahren praktisch nie verändert. Diese Pflanze steht für Ursprünglichkeit, Wildnis und Lebenskraft. Ebenso ist Hanf so vielseitig zu verwenden wie keine andere Pflanze. Die Firma Frenkenberger hat sich auf Trinkhanf spezialisiert, welcher durch ein besonderes Verfahren hergestellt wird. Dabei werden die Bio-Hanfsamen weiterverarbeitet. Ursprünglich war Trinkhanf als pflanzlicher Milchersatz gedacht. Bald stellte sich heraus, dass diese „Nussmilch“ (Hanf ist botanisch eine Nuss) auch für die Medizin von Interesse ist (z. B. bei regelmäßigem Konsum kann der Cholesterinspiegel bis zu 20 % gesenkt werden). Weiters ist die Naturvariante heute eine geniale Basis für Suppen, Saucen, Müsli, Babynahrung und vieles mehr. Herr Christian Frenkenberger betreibt neben der Trinkhanf-Erzeugung noch die „Bio Box“ mit Hauszustellung. Uns wurde ein kurzer Einblick in die ganze Verwaltung gewährt.
Erlebnisbauernhof Oberhinteregg – Bauer aus Leidenschaft
Eine Besonderheit war der Besuch am Erlebnisbauernhof Oberhinteregg in Faistenau. Frau Brigitta Klaushofer bäckt im hofeigenen Räucherhäuschen mit Backofen das herrliche Bauernbrot und räuchert Speck, Würste und Fisch. 2005 wurde dort die eigene Hofkäserei mit Reiferaum und Verarbeitungsküche in Betrieb genommen. Familie Klaushofer erhielt in den letzten Jahren einige Auszeichnungen für ihre Produkte. Neben den 9 Kühen werden auch 15 Bienenstöcke am Hof betreut. Die ganze Produktpalette ist im eigenen Hofladen der Familie erhältlich. Dieser Hofladen ist eine richtige Augenweide und wurde sehr von unseren Direktvermarktern bestaunt. Heuer wurde ihnen die Auszeichnung „Bauer aus Leidenschaft“ überreicht, auf die sie sehr stolz sind.
Mattigtaler Biohofkäserei
Nördlich von Salzburg am Flüsschen Mattig steht der Krimpelstätter Hof. Der Hof wird seit den 90er Jahren biologisch bewirtschaftet und ungefähr zur gleichen Zeit wurde die Mattigtaler Hofkäserei eingerichtet, die als Familienbetrieb geführt wird. Josef Mangelberger sen. hat das Handwerk von der Pike auf gelernt und mit seiner Begeisterung auch seinen Sohn Josef jun. angesteckt, der heute in der Käserei mitarbeitet, aber auch den Laden in Salzburg mitbetreut. Damit zur Vermarktung im eigenen Laden ein reichhaltiges Angebot zur Verfügung steht, werden auf dem Krimpelstätter Hof unterschiedliche Käsesorten produziert, vom Bergkäse über zahlreiche Schnittkäse-Variationen bis hin zum Weichkäse. Alle Käsesorten haben gemeinsam, dass sie aus unerhitzter Rohmilch hergestellt werden, die auf kürzestem Wege vom Stall in die Käserei gelangt ist.
Die Teilnehmer der Lehrfahrt erlebten ein abwechslungsreiches Programm mit vielen sehenswerten Betrieben und kulturellen Highlights. Nach zwei abwechslungsreichen und interessanten Tagen im Salzburger Flachgau kehrten wir mit vielen Eindrücken, Ideen und jeder Menge Motivation wieder nach Tirol zurück.
Fotos Lehrfahrt 16. und 17. November
Fotos Lehrfahrt 23. und 24. November
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